Wiesn Interview
Sebastian Fuchs, 22 Jahre, sitzt
seit seiner Geburt im Rollstuhl. Seit ein paar Jahren lebt er
in München und arbeitet in der Stiftung Pfennigparade.
Sebastian, Du sitzt
im Rollstuhl. Gehst Du auf die Wiesn?
Eh klar. Ich fahre mit Freunden raus. Und wie jedes Jahr sind
wir auch mit der Arbeit draussen.
Wie kommst Du auf
die Wiesn?
Ich fahre immer mit der U-Bahn.
U-Bahn? In der U-Bahn
zur Wiesnzeit kann man ja nicht mal eine Stecknadel zu Boden
fallen lassen. Wie schaffst Du es denn in die U-Bahn rein?
Na ja, man macht sich halt irgendwie Platz. Wenn ich gar nicht
vorankomme, dann frage ich erst höflich. Reagiert gar keiner,
mache ich schon deutlicher auf mich aufmerksam.
Auf der Wiesn bietet
der BRK einen Rollstuhlservice (LINK Behinderten-Info-Text)
an. Kennst Du den Service?
Nein, kenne ich nicht. Aber das hört sich interessant an.
Wie sieht denn ein
typischer Wiesn-Besuch bei Dir aus? Wohl nicht anders als bei
mir.
Ich bin eigentlich immer mit Freunden auf der Wiesn. Alleine
macht es ja keinen Spass. Wir gehen meist in ein Zelt und trinken
etwas. Danach geht es noch weg im Münchner Nachtleben.
Münchner Nachtleben!
Wo geht Ihr hin?
Ins Ballhaus oder ins Millennium.
Fahrgeschäfte.
Ist das für Dich ein Thema?
Klar. Ich kann aus meinem Rollstuhl aufstehen und mich mit Hilfe
alleine ins Fahrgeschäft hineinsetzen. Nur dauert das fast
länger als die Fahrt und ist recht umständlich für
mich. Da gehe ich lieber in ein Zelt.
Apropos Zelt, ich
stelle es mir ganz schön anstrengend vor, die Rampen zu
den Eingängen hochzukommen. Wie schafft Ihr das?
Das kommt immer auf Deine Fitness an. Es gibt natürlich
Leute, die in einem E-Rollstuhl sitzen und das nicht schaffen
würden. Die haben aber ihre Helfer dabei. Ich habe einen
Sportrollstuhl. Das sagt ja wohl alles aus, oder!? Sollte ich
aber mal ein Problem haben, dann frage ich halt jemanden.
Zu fragen ist sowieso unheimlich wichtig. Auf der Wiesn ist
Schüchternheit nicht angesagt. Und wenn die Menschen nicht
wissen, was sie machen sollen, dann erkläre ich es ihnen
kurz.
Gute Wiesn Tipps
Kannst Du uns zum Schluss noch
ein paar Tipps für andere Rollstuhlfahrer geben?
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Also
zuerst einmal guckt, dass Ihr günstig zu Ausgängen
und einer behindertengerechten Toilette sitzt. Die anderen
bringen ja nichts und Ihr erspart Euch das Gedränge.
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Wenn die Tische für Rollstuhlfahrer
belegt sind, einfach die Bedienungen nach anderen Tischen
fragen. Aber meist kommen die Bedienungen sowieso von alleine
auf uns zu und machen uns ein paar Plätze frei.
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Nett sein. Mit ein bisschen Charme
schafft man alles.
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Und dann kann ich nur noch einmal
sagen, dass man nicht schüchtern sein darf. Die Menschen
auf der Wiesn sind meiner Erfahrung nach sehr hilfsbereit. |
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